Die Weihnachtszeit: Feier der Erscheinung des Herrn

Veröffentlicht auf von Markus Tymister

Die Weihnachtszeit: Feier der Erscheinung des Herrn

Das Weihnachtsfest ist in der Stadt Rom entstanden und dort zum ersten Mal in einem Kalender aus dem Jahr 354 belegt. Dieser Kalender, mit dem Titel Depositio martyrum, der wohl auf das Jahr 336 zurückgeht, enthält Namen und Bestattungsorte der römischen Märtyrer sowie die Daten ihrer Geburt zum ewigen Leben (also ihres Martyriums). Am Beginn der Liste - sozusagen als Überschrift - heißt es: VIII kal. Ian. Natus Christus in Betleem Iudeae - am 8. Tage der Kalenden des Januar [25. Dezember] ist Christus in Betlehem in Juda geboren.

Der erste Eintrag in einem Märtyrerverzeichnis als Hinweis auf die Geburt Jesu mag überraschen. Der Autor organisiert sein Verzeichnis nicht nach dem damaligen bürgerlichen Kalender, sondern nach theologischen Gesichtspunkten. Die Geburt des Erlösers, sein Leben, sein Tod und seine Auferstehung machten erst die Lebenshingabe der Märtyrer möglich (vgl. P. Regan, Dall'avvento alla pentecoste, Bolgona 2013, 60 und Ph. Harnoncourt, "Der Kalender", in Feiern im Rhythmus der Zeit 2/1, ed. H. B. Meyer et al. (GdK 6,1), Regensburg 1994, 137f.). Der 25. Dezember als Jahrgedächtnis (Natale) Christi war nicht als Erinnerung an den Geburtstag gedacht, sondern will von Anfang an die ganze Person Christi und sein ganzes Heilswerk feiern (vgl. R. Berger, "Weihnachten", in ders., Pastoralliturgisches Handlexikon, Freiburg ³2005, 549): Manifestation - Erscheinung des Herrn, die auch - aber eben nicht nur - seine Geburt als Mensch umfasst.

Das Geburtsdatum Jesu war und ist unbekannt. Hauptsächlich zwei Hypothesen versuchen den 25. Dezember als Gedächtnis auch der Geburt zu begründen. Da ist zum einen die religionsgeschichtliche Hypothese, die im Weihnachtsfest die Reaktion der römischen Christen auf das heidnische Geburtsfest des unbesiegbaren Sonnengottes (Natale Solis invicti) sieht, das zur Wintersonnenwende gefeiert wurde und dem die Christen ein Jahrgedächtnis Christi, des Lichtes der Welt (Joh 8.1) entgegensetzten. Zum anderen wird das Datum durch die Berechnungshypothese gestützt. Da das Geburtsdatum Christi unbekannt war, kann man es nur errechnen. Einer solchen Berechnung liegt nicht historische Genauigkeit zugrunde, sondern die Verkündigung Christi als des vollkommenen Menschen, des Messias. Im Gegensatz zum Geburtsdatum war sein Todesdatum bekannt: der 14. Nisan des Jahres 30, nach heutigem Kalender der 25. März. Da nun der Lebenszyklus des Messias ein vollkommener Zyklus sein sollte, musste das Datum seiner Menschwerdung (Empfängnis!) gleich dem Todesdatum sein (also auch am 25. März). Der ideale Zyklus verlangt dann nach einem Geburtsdatum exakt 9 Monate nach der Empfängnis, also am 25. Dezember (vgl. H. Engberding, "Der 25. Dezember als Tag der Feier der Geburt des Herrn", ALW 2 (1952) 25-43).

Im am 31. März 1969 veröffentlichten neuen Römischen Kalender heißt es im 4. Abschnitt über die Weihnachstszeit:

32. Abgesehen von der sich über das Jahr hin erstreckenden Feier des österlichen Mysteriums, hat die Kirche kein älteres Fest als die Gedächtnisfeier der Geburt des Herrn und seines offenbarenden Erscheinens, die die Weihnachtszeit bildet.
33. Die Weihnachtszeit reicht von der ersten Vesper der Geburt des Herrn bis zum Sonntag nach Erscheinung des Herrn bzw. dem Sonntag nach dem 6. Januar einschließlich.

Der Römische Kalender (21.3.1969), 32-33, in DEL 1, ed. H. Rennings, 1303-1304

Drei große Feste prägen die Weihnachtszeit: am 25. Dezember das Fest der Geburt des Herrn, am 6. Januar das Fest der Erscheinung und am Sonntag darauf (oder am folgenden Montag, falls der 6. Januar auf einen Sonntag fällt) das Fest der Taufe des Herrn.

Der Inhalt aller drei Feste ist der gleiche: Adventus Domini - Erscheinung des Herrn. Gott wird Mensch und erscheint, manifestiert sich. Zuerst Maria und Joseph, dann den Hirten, schließlich den drei Sterndeutern, die die damals bekannte Welt repräsentieren. Bei seiner Taufe erscheint er wiederum als Sohn Gottes, wird feierlich als solcher proklamiert und geoffenbart.

So beten wir im Tagesgebet der Messe am Fest der Taufe des Herrn: "Allmächtiger ewiger Gott, bei der Taufe im Jordan kam der heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart. [...]"

Im Tagesgebet am Fest der Erscheinung des Herrn (6. Januar) heißt es: "Allherrschender Gott, durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind, hast du am heutigen Tag den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart. [...]"

Und im Tagesgebet der Messe der Christnacht beten wir:

"Herr, unser Gott, in dieser hochheiligen Nacht ist uns das wahre Licht aufgestrahlt. Lass uns dies Geheimnis im Glauben erfassen und bewahren, bis wir im Himmel den unverhüllten Glanz deiner Herrlichkeit schauen."

Deus, qui hanc sacratissimam noctem veri luminis fecisti illustratione clarescere, da, quaesumus, ut, cuius in terra mysteria lucis agnovimus, eius quoque gaudiis perfruamur in caelo.

Die Oration ist zum ersten Mal im Altgelasianischen Sakramentar belegt (ed. Mohlberg, Nr. 5). Auch wenn die uns erhaltene Handschrift des Sakramentars aus dem Jahr 750 datiert, sind die in ihr enthaltenen Texte älteren Datums. Die Oration kann also gut aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammen und ist ihrem Charakter nach römischen Ursprungs.

In der Christnacht feiern wir Erscheinung Gottes in seinem Sohn als das wahre Licht, das die Finsternis erleuchtet. Christus "das wahre Licht". Hier handelt es sich um ein Mysterium, das es im Glauben zu erfassen gilt. Die reiche Lichtsymbolik an Weihnachten soll hindeuten auf ihn, der das wahre Licht ist: "Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt." (Joh 1,9 - aus dem Evangelium am Weihnachtstag). Ein Licht, dass nur mit den Augen des Glaubens gesehen und erkannt werden kann.

Die 1. Weihnachtspräfation, die erstmals im Sacramentarium Gregorianum-Hadrianum (ed. Deshusses, Nr. 51) belegt ist und somit zumindest aus der 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts stammen dürfte, greift das Thema des Lichtes nochmals auf:

"In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn Fleisch geworden ist das Wort, und in diesem Geheimnnis erstrahlt dem Auge unseres Geistes das neue Licht deiner Herrlichkeit. In der sichtbaren Gestalt des Erlösers lässt du uns den unsichtbaren Gott erkennen, um in uns die Liebe zu entflammen zu dem, was kein Auge geschaut hat. Darum singen wir mit den Engeln [...]." (Präfation von Weihnachten I, Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes 1975)

[Vere dignum] et iustum est aequum et salutare. Quia per incarnati uerbi mysterium, noua mentis nostrae oculis lux tuae claritatis infulsit, ut dum uisibiliter deum cognoscimus per hunc in inuisibilium amore rapiamur. Et ideo cum angelis [...]. (GrH, ed. Deshusses, 5).

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