Liturgische Farben (Farbenkanon)

Veröffentlicht auf von Markus Tymister

Für die Farben der liturgischen Gewänder, die aus der antiken Zivilkleidung entstanden sind, gab es anfangs keine besonderen Bestimmungen. Es war wohl - wie allgemein üblich - das Untergewand gebleicht und ungefärbt (also weiß), während das Obergewand je nach Vermögen und Festlichkeit gefärbt war.

Erste Zuordnungen von bestimmten Farben zu bestimmten liturgischen Tagen oder Festen finden sich in der Karolingerzeit. Neben den uns bekannten Farben tauchen dabei auch blau und vor allem kastanienbraun, eine Modefarbe im beginnenden 9. Jh., und natürlich gold auf. Daneben gibt es auch grau und buntfarbig. Solche Zuordnungen waren allerdings anfangs von Kirche zu Kirche und von Bistum zu Bistum unterschiedlich. Eine gesamtkirchlich verbindliche Regelung gibt es erst mit dem nachtridentinischen Messbuch von 1570, die dann in der nachvatikanischen Liturgiereform nochmals überarbeitet wurde.

Eine Zusammenstellung liturgischer Farben samt einer Erklärung findet sich erstmals bei Lothar von Segni (1160/61 bis 1216), dem späteren Papst Innozenz III (De sacro altaris mysterio I,65). Er weist dabei aber gleich auch auf unterschiedliche Gebräuche hin, ohne diese allerdings zu kritisieren. Folgende liturgische Farben sind ihm bekannt: weiß, rot (purpur), schwarz, violett, grün und safrangelb.

Weiß ist die Farbe der Reinheit und wird an folgenden Tagen benutzt:

  • An den Festen der Bekenner, der Jungfrauen und der Engel.
  • An Weihnachten und am Geburtsfest Johannes des Täufers.
  • An Epiphanie: wegen des Glanzes des Sternes, der die Weisen führte.
  • An Darstellung des Herrn: als Hinweis auf die Reinheit Mariens, die "das Licht, das die Heiden erleuchtet" getragen hat.
  • Am Gründonnerstag: wegen der Bereitung des Chrisams, der zur Reinigung der Seele dient und wegen des Evangeliums von der Fußwaschung ("wer vom Bade kommt, ist ganz rein", Joh 13,10). Damals wurde der Chrisam in der einen Messe des Gründonnerstags bereitet.
  • An Ostern: als Hinweis auf das weiße Gewand, dass der Engel trug, der die Auferstehung bezeugte (Mk 16,5).
  • An Christi Himmelfahrt: als Hinweis auf die weiße Wolke, in die Christus aufstieg (Apg 1,9).
  • Bei der Weihe einer Kirche, da die Kirche wie eine reine Jungfrau mit Christus vermählt ist (2 Kor 11,2).
  • Bei der Bischofsweihe trägt der Weihekandidat immer weiß, während alle anderen die Paramente in der Farbe des Tages tragen, da auch die Tagesmesse genommen wird.
  • Für das Fest der Kreuzerhöhung (14.9.) schlägt Lothar weiß (anstatt rot) vor, da es sich nicht um ein Fest des Leidens, sondern der Wiederauffindung oder Erhöhung des Kreuzes handelt.
  • Am Fest der Bekehrung des Apostels Paulus (25.1.) und am Fest Kathedra Petri (22.2.).
  • An Allerheiligen, zumindest in der römischen Kurie (s.u.).

Rot weist auf das vergossene Blut und das Feuer des Hl. Geistes hin und wird an folgenden Tagen benutzt:

  • An den Festen der Apostel und der Märtyrer: wegen des Blutes, das sie für Christus vergossen haben.
  • An Kreuzerhöhung (s. aber oben).
  • An Pfingsten: wegen des Geistes, die auf die Apostel in Form von Feuerzungen herab kam.
  • Am Gedenktag der Enthauptung Johannes des Täufers.
  • Am Festtag einer Jungfrau, die auch Märtyrin ist, da das Martyrium das Zeichen der vollkommenen Liebe ist.
  • An Allerheiligen wird rot von vielen aus dem eben genannten Grund benutzt. Die römische Kurie allerdings nimmt weiß.

Schwarz wird an Tagen der Trauer (um die Toten) und der Buße genutzt:

  • Im Advent bis zur Vigil von Weihnachten.
  • Von der Septuagesima (Vorfastenzeit) bis zum Karsamstag.
  • Am Fest der Unschuldigen Kinder. (Allerdings gibt Lothar hier selbst zu, das Uneinigkeit darüber besteht. Einige unterstreichen die Trauer (Jer 31,15) und nehmen schwarz, während andere das Martyrium herausstellen und rot bevorzugen. Lothar selbst spricht sich hier für rot aus.)

Violett wird in seiner Bedeutung nicht weiter erklärt und kann schwarz ersetzen, vor allem

Grün ist eine Farbton, der zwischen weiß, schwarz und rot liegt. Daher wird er benutzt

  • an allgemeinen und festfreien Tagen.

Safrangelb

  • kann grün ersetzen oder, gemäß der Meinung einiger, auch an Festen der Bekenner gebraucht werden.

Eine entsprechende Deutung von violett findet sich wenig später bei Durandus von Mende (1230-1296): "violett ist düster und wie mit Blut getränkt" (DACL III,2, 3003). Dabei ist zu beachten, dass das mithilfe der damals bekannten Färbeprozeduren erreichbare violett sicherlich erheblich von dem abwich, was wir heute unter violett verstehen.

Insgesamt kann gesagt werden, dass die Zuordnung der Farben nicht willkürlich, sondern aufgrund damaliger - allerdings auch regional unterschiedlicher - Farbensymbolik und im Bezug auf (biblische) Festinhalte geschehen ist, sowie bedingt war durch die Wertschätzung kostbarerer Farben (dunkelpurpur/schwarz war eine der teuersten Farben, weil hierfür im Färbeprozess die größte Menge des teuren Sekretes der Purpurschnecke benötigt wurde).

Der Farbenkanon Lothars v. Segni bezeugt aber auch die schon relativ weite Verbreitung des Schwarz, das als (ursprünglich heidnische) Trauerfarbe das frühchristliche Weiß abgelöst hat. Gleichzeitig hat sich der Advent schon als Bußzeit etabliert (was er im ursprünglichen Sinne nicht war).

Auf diesem Hintergrund sei eine Anfrage an den heute gebräuchlichen Farbenkanon gestellt: für die Beerdigungsmesse und das Totengedenken ist schwarz weiterhin erlaubt, kann allerdings durch violett ersetzt werden, was sich in vielen Gegenden Europas auch durchgesetzt hat. 

Allerdings ist über die Bedeutung nachzudenken. In den ersten Jahrhunderten drückten die Christen ihren Glauben an die Auferstehung wohl eher durch die Verwendung von weißen Gewändern aus, erst im nordalpinen Mittelalter kam dann wieder das heidnische Schwarz der Trauer auf und verdrängte das Weiß. Violett scheint - vor allem auf dem Hintergrund des Farbenkanons Lothars - ein Ersatz für schwarz zu sein, gewissermaßen eine leichte Aufhellung, aber immer noch "düster und wie mit Blut getränkt" (Durandus). Durch die Betonung der (violetten) Bußzeiten Quadragese und dann auch Advent, hat violett durchaus die Bedeutung der Buße. Ob es heute Ziel der Verkündigung sein sollte, anlässlich des Totengedenkens besonders auf Buße hinzuweisen, darf zumindest angefragt werden. Die meisten Menschen haben wohl in einem (immer länger werdenden) Sterbeprozess ausreichend gebüßt. Eine Rückkehr zum Weiß wäre sicherlich anzudenken. An der römischen Kurie hat sich übrigens noch eine andere Farbtradition bewahrt, nämlich die Farbe rot anlässlich der Beerdigunsmesse. Ursprünglich nicht nur, wenn ein Papst beigesetzt wird, sondern auch dann, wenn der Papst der Feier selber vorsteht, egal wer von ihm beigesetzt wird. Stirbt ein Christ, so vollendet sich an ihm das Ostergeheimnis Christi von Tod und Auferstehung, der Weg durch das Leiden (rot) hindurch zum Licht (weiß). So haben, zumindest dort, wo nicht weiß die Farbe der Trauer ist, rot und weiß beim Sterben des Christen sicher eine größere Berechtigung als violett oder schwarz.

Noch dazu hatten die Konzilsväter in der Nr. 81 der Liturgiekonstitution ausdrücklich gefordert: "Der Ritus der Exequien soll deutlicher den österlichen Sinn des christlichen Todes ausdrücken und besser den Voraussetzungen und Überlieferungen der einzelnen Gebiete entsprechen, auch was die liturgische Farbe betrifft". Violett steht allerdings genauso wenig wie schwarz im Dienst der Feier des österlichen Sinnes der Exequien.

Während Lothar v. Segni noch die Farbe schwarz für den Karfreitag kennt, hat die nachvatikanische Liturgiereform übrigens die Verwendung von rot, wie es der älteren römischen Tradition entspricht, wiederhergestellt.

Rosa gibt es offiziell erst seit dem Zeremoniale für die Bischöfe von 1600.

Das nachkonziliare Messbuch von 1970 behält die schon von Lothar erwähnten Farben (bis auf das Gelb) bei, hat aber die Zuordnung etwas modifiziert, bzw. ältere Gewohnheiten wiederhergestellt:

  • Weiß für Oster- und Weihnachtszeit, die Feste des Herrn, der Heiligen die nicht Märtyrer sind, Marienfeste und Engelfeste.
  • Rot für Palmsonntag, Karfreitag, Pfingsten, Kreuzerhöhung, Apostel- und Märtyrerfeste.
  • Violett für die Adventszeit und die vorösterliche Quadragese, sowie als Alternative zu schwarz in den Messen für Verstorbene.
  • Rosa an Gaudete (3. Adventssonntag) und Laetare (4. Sonntag der Quadragese) als Alternative zu violett.
  • Grün für die Zeit im Jahreskreis.
  • Grundsätzlich können zu festlichen Anlässen auch wertvollere Paramente verwendet werden, auch wenn sie nicht der Tagesfarbe entsprechen. Dies gilt allerdings nicht (mehr) für Messen für Verstorbene und im Advent und in der Quadragese (AEM 308-309, IGMR3 346 und Redemptionis sacramentum 127).
  • Regionale Unterschiede sind dabei ausdrücklich ermöglicht!

 

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