Ohne die Diakone können Priester ihr Amt in der Eucharistiefeier nicht ausüben: Eine Stimme aus dem 7. Jahrhundert

Veröffentlicht auf von Markus Tymister

Isidor von Sevilla

Der Hl. Isidor starb im Jahr 639 in Sevilla, wo er auch Bischof war. In seinen Werken ist es ihm gelungen, das Wissen der Antike zu bündeln und zugängig zu machen; allgemein wird er als der letzte Kirchenvater der Antike bezeichnet.

In seinem Werk De ecclesiasticis officiis, abgefasst zwischen 598 und 615 im Auftrag seines Bruders Fulgentius, Bischof von Astigi (Ecija, 80 km. östlich von Sevilla), informiert Isidor u.a. über Ursprung und Bedeutung kirchlicher Dienste, Ämter und Gebräuche. Im 2. Buch des Werkes findet sich nach dem Abschnitt über die Presbyter auch ein Kapitel über die Diakone. Seine Erklärung über den Ursprung der Ämter ist stark alttestamentlich geprägt, aber sagt auch etwas darüber aus, wie ein Bischof des 7. Jh. auf das Zueinander der verschiedenen Dienste blickte:

Ipsi [diaconienim clara uoce in modum praeconis ammonent cunctos, siue in orando, siue in flectendis genibus, siue in psallendo, siue in lectionibus audiendis; ipsi etiam ut aures habeamus ad dominum adclamant, ipsi quoque euangelizant.
Sine his sacerdos nomen habet, officium non habet. Nam sicut in sacerdote consecratio, ita in ministro dispensatio sacramenti est; ille orare, hic psallere mandatur; ille oblata sanctificat, hic sanctificata dispensat. Ipsis etiam sacerdotibus propter praesumptionem non licet de mensa domini tollere calicem, nisi eis traditus fuerit a diacono. Leuitae inferunt oblationes in altario, leuitae conponunt mensam domini, leuitae operiunt arcam testamenti.

(Isidorus Hispalensis, De ecclesiasticis officiis 2,8,3-4, hg. C.M. Lawson (CCSL 113), Turnhout 1989, 67f.)

Die Diakone ermahnen alle mit lauter Stimme nach der Art des Herolds, sei es zum Beten oder zum Beugen der Knie oder zum Singen der Psalmen oder zum Hören der Lesungen; sie beten auch öffentlich zum Herrn und verkünden das Evangelium.
Ohne sie hat der Priester zwar seinen Namen aber kein Amt. Denn wie es Aufgabe des Priester ist, das Sakrament zu konsekrieren,so ist es Aufgabe des Dieners (Diakons) es auszuteilen. Wie der Priester zum Vortrag der Gebete beauftragt ist, so ist es Sache des Diakons, den Psalm vorzutragen. Jener heiligt die Gaben, dieser teilt die geheiligten Gaben aus. Den Priestern selbst ist es wegen der Gefahr der Überheblichkeit nicht erlaubt, den Kelch des Herrn vom Altar zu nehmen, wenn er ihnen nicht vom Diakon gereicht wird. Die Leviten (Diakone) bringen die Gaben zum Altar, die Leviten (Diakone) bereiten den Tisch des Herrn und verhüllen die Arche des Bundes.

Interessant ist, dass Bischof Isidor sich die Feier der Eucharistie nur vorstellen kann, wenn die verschiedenen Dienstämter auch ausgeübt werden. Ein Priester, der "alles allein kann", ist für ihn undenkbar; ja er sieht darin sogar die Gefahr der Überheblichkeit, daher darf sich ein Priester die Kommunion nicht selber vom Altar nehmen, auch ihm wird sie - wie allen anderen in der Gemeinde - durch den Diakon gereicht. Dies war damals auch in der Papstliturgie üblich.

Auch wenn nach den heutigen liturgischen Vorschriften, der Priester zuerst (vor der Gemeinde!) selbst kommuniziert und dann dem Diakon die Kommunion reicht, so ist der Respekt vor den unterschiedlichen Diensten und Ämtern in der Liturgie heute genauso wichtig wie damals.

Priester, die meinen, alles allein zu können und auf weitere Dienste (Ministranten, Lektoren, Kantoren, Diakone, Organisten....) verzichten zu dürfen, verstellen damit das Eigentliche der Messfeier. Die Dienste und Ämter sind nicht eine - eigentlich entbehrliche - Beigabe zur Erhöhung der Feierlichkeit, sondern sie stellen die hierarchisch gegliederte Kirche, das Volk Gottes, den mystischen Leib Christi dar, der mit Christus, dem Haupt, Subjekt der Liturgie ist; so wie es die Liturgiekonstitution des 2. Vatikanums in Art. 7 ausdrückt:

Mit Recht gilt also die Liturgie als Vollzug des Priesteramtes Jesu Christi; durch sinnenfällige Zeichen wird in ihr die Heiligung des Menschen bezeichnet und in je eigener Weise bewirkt und vom mystischen Leib Jesu Christi, d.h. dem Haupt und den Gliedern, der gesamte öffentliche Kult vollzogen. Infolgedessen ist jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche ist, in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht.

2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Heilige Liturge "Sacrosanctum Concilium" (4. Dez. 1963), Art. 7

Die Achtung vor den unterschiedlichen Diensten und Ämtern betrifft allerdings nicht nur den Priester, sondern alle, die - gemäß ihrer Weihe oder Beauftragung - selber Gottesdiensten vorstehen. So nehmen selbstverständlich auch in einer Wortgottesfeier, die von einem Laien geleitet wird, die unterschiedlichen Dienste ihre Aufgaben war.

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Roland Bachleitner 10/30/2017 12:47

Zur Achtung vor den verschiedenen Diensten: Was ist, wenn etwa am Sonntag ein Priester anwesend ist, die der Eucharistie vorstehen könnte, dennoch aber eine Wortgottesfeier gehalten wird, oder wenn ein Diakon einfach in der Gemeinde sitzt, ohne seinen Dienst wahrzunehmen?