Die Hl. Messe als Opfer? Eine Stimme aus dem 5. Jahrhundert

Veröffentlicht auf von Markus Tymister

Die Hl. Messe als Opfer? Eine Stimme aus dem 5. Jahrhundert

Theodoret von Kyrrhos (+ um 460) war Mönch in der Nähe von Apamea (Syrien) und ab 423 Bischof von Kyrrhos im heutigen Nordsyrien. Im Jahre 449 auf der sog. Räubersynode verurteilt, wurde er jedoch 451 wieder rehabilitiert. Nach heutigem Kenntnisstand gilt er als rechtgläubig. In den Ostkirchen wird er als Seliger verehrt.

Unter seinen Werken findet sich auch ein Kommentar zum Hebräerbrief.

In Hebr. 8, 1-6 heißt es:

Hauptpunkt des Gesagten aber ist: wir haben einen Hohenpriester [Christus], der sich zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel gesetzt hat, als Diener des Heiligtums und des wahren Zeltes, das der Herr aufgeschlagen hat, nicht ein Mensch. Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen; deshalb muss auch dieser etwas haben, was er darbringen kann. Wäre er nun auf Erden, so wäre er nicht einmal Priester, da es hier schon Priester gibt, die nach dem Gesetz die Gaben darbringen. Sie dienen einem Bild und Schatten der himmlischen Dinge nach der Weisung, die Mose erhielt, als er daran ging, das Zelt zu errichten: Sieh zu, heißt es, dass du alles nach dem Urbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt wurde!

Hebr. 8,1-5

Theodoret kommentiert dazu:

"Εἰ τοίνυν καὶ ἡ κατὰ νόμον ἱερωσύνη τὸ τέλος ἐδέξατο, καὶ ὁ κατὰ τάξιν Μελχισεδὲκ ἀρχιερεὺς τὴν θυσίαν προσήνεγκε, καὶ θυσίας ἑτέρας ἀνενδεεῖς καθέστηκε, τί δήποτε τῆς καινῆς διαθήκης οἱ ἱερεῖς τὴν μυστικὴν λειτουργίαν ἐπιτελοῦσιν; Ἀλλὰ δῆλον τοῖς τὰ θεῖα πεπαιδευμένοις, ὡς οὐκ ἄλλην τινὰ θυσίαν προσφέρομεν, ἀλλὰ τῆς μιᾶς ἐκείνης καὶ σωτηρίου τὴν μνήμην ἐπιτελοῦμεν. Τοῦτο γὰρ ἡμῖν αὐτὸς ὁ Δεσπότης προσέταξε· Τοῦτο ποιεῖτε εἰς τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν, ἵνα τῇ θεωρίᾳ τῶν τύπων, τῶν ὑπὲρ ἡμῶν γεγενημένων ἀναμιμνησκώμεθα παθημάτων, καὶ τὴν περὶ τὸν εὐεργέτην ἀγάπην πυρσεύσωμεν."

(Theodoretus ep. Cyrensis, Interpretatio epist. ad Hebr. 8, ed. J. P. Migne (PG 82), 736B. Kritisch durchgesehen und bearbeitet von S. Parenti.)

"Wenn also auch das Priestertum gemäß dem Gesetz [des alten Bundes] zu einem Ende gelangt ist, und der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedechs [= Christus] das Opfer dargebracht hat und dafür gesorgt hat, dass keine weiteren Opfer notwendig sind, warum feiern dann die Priester des neuen Bundes die mystische Liturgie?

Denjenigen, die in den göttlichen Dingen gebildet sind, ist klar, dass wir nicht ein anderes Opfer darbringen, sondern das Gedächtnis dieses einzigen und heilbringenden Opfers begehen. Das nämlich hat uns der Herr selbst aufgetragen: 'Tut dies zu meinem Gedächtnis', damit wir in der Schauung der 'Bilder' (τῶν τύπων) das Gedächtnis der für uns vollbrachten Leiden begehen und vor Liebe zu unserem Wohltäter erglühen."

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Die Messfeier ist also nicht ein neues Opfer sondern das Tatgedächtnis des Opfers Christi am Kreuz. Wir bringen nicht etwas Neues dar, auch opfern wir nicht Christus erneut, sondern im Gedenken des Opfers Christi fällt das Handeln der Kirche mit dem Handeln Christi in eins. Den Christen des neuen Bundes bleibt daher das Lob Gottes und der Dank für das, was Christus für uns getan hat. In der Eucharistiefeier kommt dies vor allem zum Ausdruck im großen Lob- und Dankgebet, dem eucharistischen Hochgebet, in dem wir eingedenk des Opfers Christ am Kreuz Gott loben und ihm für seine Heilstaten danken. In diesem Sinne ist die Messe Lob- und Dankopfer (sacrificium laudis).

(Ein herzlicher Dank an meinen Kollegen Stefano Parenti, der eine weitergehende Veröffentlichung zu dem Thema plant, für den Hinweis auf Theodoret.)

Veröffentlicht in Opfer, Messopfer

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Das wäre doch ein Basis-Text für ökumenische Gespräche!
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