Erzbischof Šeper zur Diskussion um die Konzelebration in der Vorbereitung des 2. Vatikanischen Konzils

Veröffentlicht auf von Markus Tymister

Konezelebration im Dezember 1969
Konezelebration im Dezember 1969

Am 26. und 27. März 1962 diskutierte die Zentrale Konzilskommission unter anderem auch die Artikel über die Ausweitung der Konzelebration die von der Vorbereitenden Liturgiekommission erstellt worden waren. Es ging darum, in welcher Form der Text den Konzilsvätern vorgelegt werden solle. Unter den vielen Voten und Anmerkungen der Kommissionsmitglieder findet sich auch die Stellungnahme des Erzbischofs von Zagreb, Franjo Šeper, der nach dem Konzil von 1968-1981 Kardinalpräfekt der Glaubenskongregation war.

In seiner Stellungnahme beschreibt er mit eindringlichen Worten die Schwierigkeiten, die damals vor allem bei größeren Zusammenkünften von Priestern und an Wallfahrtsorten auftraten, weil jeder Priester sich verpflichtet fühlte (auch wenn eine solche Verpflichtung im Kirchenrecht keinesfalls verankert war), täglich eine eigene Messe zu feiern:

"Usus quotidianae celebrationis Missae, qui pro vita spirituali sacerdotis magna emolumenta praebet, saepe, ubi multi sacerdotes simul adsunt, varias difficultates creat, ita ut sacerdotes hoc ‘mysterium tremendum’ et angelicam potestatem superans, celeriter, diffuso spiritu, aliquando – saltem partialiter – sine ministro, ‘mechanice’ peragere debeant. Hoc fit v. g. occasione conventuum eucharisticorum, exercitiorum spiritualium, peregrinationum et in collegiis et conventibus ubi multi, saepe plus quam centum, sacerdotes adsunt. Vidimus in locis peregrinationum sacerdotes paratos, cum calice et ampullis impatienter expectare dum alias Missam finiret eumque veluti ab altari expellere. Vel debet collocari infinitus numerus altarium (e. g. in ‘Mondo migliore’ in Rocca di Papa et in cryptis monasteriorum vel collegiorum), ubi eodem tempore 20-30 sacerdotes, unus iuxta alium, unus celerius, alter lentius, celebrant. Vel plures a celebrando abstinere coacti sunt. Nonne decentius et devotius esset, si v. g. 5-10 sacerdotes, unum altare circumstantes, simul celebrare possent?”
(Acta et documenta Concilio Oecumenico Vaticano II apparando, ser. 2, vol. 2, pars 3, Città del Vaticano 1968, 127).
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"Der Brauch der täglichen Feier der Messe, der für das geistliche Leben des Priesters große Vorteile mit sich bringt, führt oft zu verschiedenen Schwierigkeiten, vor allem dort, wo viele Priester zusammenkommen; so dass die Priester dieses 'furchtbare Geheimnis', das die Macht der Engel übersteigt, schnell, unkonzentriert und manchmal - zumindest teilweise - ohne Ministranten [was nach damaligem Kirchenrecht, bis auf wenige Ausnahmen verboten war] und 'mechanisch' abarbeiten. Dies geschieht zum Beispiel bei eucharistischen Kongressen, geistlichen Exerzitien, Wallfahrten und in den Kollegien und Konventen, in denen viele, oft mehr als einhundert, Priester zusammenleben. Wir erleben an Wallfahrtsorten, wie schon fertig angekleidete Priester, mit Kelch und Kännchen in der Hand ungeduldig warten, während andere noch ihre Messe benden, und diese gleichsam vom Altar wegdrängen. Oder man muss eine unendliche Menge von Altären aufstellen, (wie z. B. in 'Mondo migliore' [Tagungshaus] in Rocca di Papa und in den Krypten der Klöster und Kollegien), wo gleichzeitig 20-30 Priester, einer neben dem anderen, der eine schneller als der andere, zelebrieren. Oder es sind viele gezwungen, auf die Messfeier zu verzichten. Wäre es da nicht geziehmender und andächtiger, wenn z. B. 5-10 Priester um einen Altar herum, gemeinsam die Messe feiern könnten?"

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Wie die Konzilsväter selbst diese Situation bei der Eröffnung des Konzils im Jahr 1962 erlebten, und ihre Privatmessen an in Fluren und Seitenschiffen aufgestellten Altären lasen, wird in diesem Video deutlich (ab Minute 1:50):

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Helmut Meier 06/19/2018 18:44

Was an einer Konzelebration bei gemeinsam rezitierten Texten feierlich sein soll, erschließt sich mir nicht. Diese wenig koordinierte Art Texte wenig synchron zu rezitieren ohne jede persönliche Beteiligung ist mir ein Greuel. Einer betet laut, die anderen schließen sich ohne Lautäußerung diesem Gebet an. Dann kann der Beter auch einmal ein klein wenig innehalten, ohne dass ihm schon ein Schnellerer mit der Fortsetzung ins Wort fällt. Warum bemerkt niemand wie unpassen das für das Hochgebet ist?

Rudolf Pacik 05/30/2016 12:09

P. Jungmann strebte eine Form der Konzelebration an ähnlich der am Gründonnerstag damals üblichen.. Dass durch seinen Vorschlag, die Zwischenüberschriften zu streichen, der Begriff der sakramentalen Konzelebration verschwand, merkte nicht einmal Martimort (Notiz in Jungmanns Konzilstagebuch).

Rudolf Pacik 05/30/2016 10:46

Kardinal Seper ging es also darum, dass jeder Priester 'seine' tägliche Messe in ordentlicher Form feiern kann. Reiner Klerikalismus! Die Gemeinde kommt überhaupt nicht vor. Gottseidank war dies nicht die einzige Begründung der Konzelebration. Letztlich beruht aber die heutige Ordnung auf dem mittelalterlichen Konzept: Priester sein = die Messe zelebrieren; die Messe zelebrieren = die Einsetzungsworte (auf die allein es ankommt) sprechen. Immerhin ist die (eigentlich auf die Liturgiegeschichte bezogene) Unterscheidung zwischen zeremonieller und sakramentaler Konzelebration nicht in die Liturgiekonstitution eingegangen. Und zwar durch eine Initiative von P. Jungmann. Er regte 1963 an, im Eucharistie-Kapitel des Liturgie-Schemas die Zwischenüberschriften zu tilgen; eine davon hatte gelautet "De concelebratione sacramentali".

Markus Tymister 05/30/2016 11:52

Theologische (und spirituelle) Argumente für die Konzelebration kommen in der vorbereitenden Phase und auch in der Diskussion der Generalkongregationen des Konzils zur Sprache, allerdings doch leider eher marginal. Hätten sie eine stärkere Berücksichtigung erfahren, so wäre der derzeitig gültige Konzelebrationsritus mit mittelaterlich motivierter Simultankonsekration wohl anders ausgefallen.
Interessant ist, dass der 3. Unterkomission der Liturgischen Vorbereitungskommission, die schon unter dem Titel "De concelebratione sacramentali" arbeitete, als dritte Direktive auf den Weg gegeben worden ist: dass am Gründonnerstag in der Abendmahlsmesse "[...] servanda es antiquissima traditio Ecclesiae Romanae, ut unus tantum sacerdos celebrans Sacrum faciat". Diese Arbeitsdirektive bleibt im folgenden fast unberücksichtigt, obwohl sie tatsächlich auf der Linie der Tradition und des theoligschen Gehaltes liegt. Wenigstens an diesem Tag sollte noch die Einheit der Eucharistie(-feier) gewahrt bleiben (was allerdings durch die vielen Indulte für Extra-Messfeiern am Gründonnerstag schon abgeschwächt war). 13 Konzilsväter schlugen die Ausweitung der Konzelebration (und meinen damit die - um bei der unglücklichen von Hanssens eingeführten Terminologie zu bleiben - "sakramentale" Konzelebration) auch auf die Abendmahlsmesse vor. Die Anzahl der Gegenstimmen war allerdings geringer. Daher findet sich im textus emendatus von 1963 der Wunsch der Ausweitung der Konzelebration auch auf die Abendmahlsmesse. Der durch Jungmann angeregte Wegfall des Zwischentitels im textus emendatus hätte theoretisch den Weg öffnen können, zu anderen Formen der Konzelebration zu finden, allerdings ist der 1965 veröffentlichte Konzelebrationsritus, trotz aller Bemühungen des Publikationsdekretes auch theologische Motivationen anzuführen, immer noch ein Zeugnis ma. Simultankonsekration. Das Dekret spricht tatsächlich von der "Actio totius populi Dei", die in der Konzelebration klarer hervotreten soll ("quasi ob oculos ponitur"), allerdings kommt die Gemeinde im Konzelebrationsritus dann nicht mehr vor.
Letztendlich ist der Konzelebrationsritus bis heute die Reaktion auf das "zelebrieren wollen = konsekrieren wollen" der Priester. Auch der im Messbuch dann eingefügte Hinweis, die Konzelebranten sollen die gemeinsamen Teile im Hochgebet leise sprechen, verbessert die Situation vielleicht nach außen hin; allerdings handelt es sich hier um keine wesentliche Verbesserung. Wenn die Stimme der Konzelebranten nicht gehört werden soll, dann können sie auch auf das Sprechen ganz verzichten. Der Paradigmenwechsel, die Eucharistie nicht vom Handeln des Priesters/der Priester her zu sehen, sondern als Feier der Kirche/Gemeinde ist - in weiten Kreisen bis heute - noch nicht wirklich vollzogen worden.