Konzelebration in der Messfeier

Veröffentlicht auf von Markus Tymister

Konzelebration in der Erprobungsphase des Ritus auf dem 2. Vatikanischen Konzil, unter Vorsitz von Papst Paul VI. Damals war es noch undenkbar, dass ein konzelebrierender Priester nicht den Altar berühren muss; daher der extrem große Altar und die geschlossene Gruppe der Konzelebranten, die die Versammlung quasi ausschließt.
Konzelebration in der Erprobungsphase des Ritus auf dem 2. Vatikanischen Konzil, unter Vorsitz von Papst Paul VI. Damals war es noch undenkbar, dass ein konzelebrierender Priester nicht den Altar berühren muss; daher der extrem große Altar und die geschlossene Gruppe der Konzelebranten, die die Versammlung quasi ausschließt.

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Einige Anmerkungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Terminus celebrare (feiern) wurde in der Liturgie seit der Antike bis mindestens zum 9. Jahrhundert immer auf alle Gläubigen bezogen.[1] Erst in der mittelalterlichen Theologie und vor allem in der gegenreformatorischen Bewegung wird dann celebrare nur noch für das Tun des Priesters verwendet. So spricht man bis heute vom Zelebranten (und meint damit den mit dem Weihepriestertum ausgestatteten Vorsteher der Versammlung) im Gegensatz zum Volk. Oft gerät dabei allerdings in Vergessenheit, dass alle mitverantwortliche Feiernde (lat. celebrantes) sind.

Celebrare (feiern) ist von seiner Natur her immer ein Handeln, an dem eine Gemeinschaft mehrerer Personen beteiligt ist. Alleine feiern ist unmöglich. Daher bedeutet con-celebrare (konzelebrieren) eben nicht zusammen feiern im Gegensatz zu alleine feiern. Der Terminus concelebrare ist spätestens seit der ausgehenden Antike in der römischen Liturgie bekannt aus der üblichen Schlussformel der Präfation (Per quem maiestatem tuam laudant angeli […] ac beata seraphim socia exsultatione concelebrant.) Die Vorsilbe con bedeutet eine Intensifikation im Sinne von feiern mit Jubel. Erst im 11./12. Jahrhundert beginnt man der Terminus concelebrare auf das Handeln der Priester synonym zu simul conficere, simul consacrare anzuwenden, um ihn dann schließlich als feststehenden Ausdruck für das gemeinsame Handeln von Priestern in der Messfeier zu reservieren.[2]

1. Ausgangspunkt: Die Einheit der Versammlung

Ausgangspunkt für jegliche Überlegung zur Feier der Liturgie ist die Einheit der feiernden Versammlung, die die Einheit der Kirche darstellen soll. Hier ist daran zu erinnern, dass, in Einheit mit Christus, die Versammlung das Subjekt der Liturgie ist. So sagt die Liturgiekonstitution des 2. Vatikanischen Konzils in Art. 7:

In der Tat gesellt sich Christus in diesem großen Werk [der Liturgie], in dem Gott vollkommen verherrlicht und die Menschheit geheiligt werden, immer wieder die Kirche zu, seine geliebte Braut. Sie ruft ihren Herrn an, und durch ihn huldigt sie dem ewigen Vater.

Die versammelte Gemeinde stellt die eine Kirche unter ihrem Haupt Jesus Christus dar. Einer repräsentiert also Christus als das Haupt und alle anderen nehmen ihrem Dienstamt und ihrem Auftrag entsprechend an der Feier teil und repräsentieren den Leib Christi. Der mystische Leib Christi, die Kirche, ist auch schon von den Kirchenvätern als ein geordnetes Ganzes verstanden worden. Jedes Glied an seinem Platz übernimmt die ihm zukommenden Aufgaben. Da die Kirche hierarchisch strukturiert ist, ist diese Struktur auch in der liturgischen Feier zu erkennen. Aber auch hier ist darauf zu achten, dass die hierarchische Struktur immer im Dienst an der Einheit der Kirche, der Versammlung und der Eucharistie steht. Der klassische Text hierzu findet sich bei Clemens von Rom seinem Brief an die Korinther, 40,1-41. Clemens (~ 50-97/101) nimmt schwerwiegende Missstände in der Gemeinde von Korinth, die sich vor allem in Unsicherheiten bzgl. der Dienstämter manifestierten, zum Anlass, in seinem Brief in 65 Kapiteln über die Struktur der Kirche in Rom und ihre Weise der Eucharistiefeier zu berichten. Der Brief ist in die 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts zu datieren:

40. Cum igitur hae nobis sint manifesta et in profunda divinae cognitionis nos introspexerimus, cuncta ordine debemus facere (πάντα τάξει ποιείν οφείλομεν), quae nos dominus (ο δεσπότης) statutis temporibus peragere iussit. Oblationes (προσφοράς) scilicet et officia sacra (λειτουργίας) perfici, neque temere vel inordinate fieri praecepit, sed statutis temporibus et horis. Ubi etiam et a quibus eas celebrari vult, ipse excelsissima sua voluntate definivit, ut religiose omnia secundum eius beneplacitum adimpleta accepta essent volutati eius. Qui ergo adsignatis temporibus oblationes (προσφοράς) suas faciunt, accepti et beati sunt; domini enim mandata sequentes non aberrant. Summo quippe sacerdoti (αρχιερεί) sua munera (λειτουργίαι) tributa sunt, sacerdotibus locus proprius adsignatus est, et levitis (λευίταις) sua ministeria (διακονίαι) incumbunt. Homo laicus (ο λαικός άνθρωπος) praeceptis laicis constringitur.

41. Unusquisque nostrum, fratres, in suo ordine (εν τώ ιδίω τάγματι) cum bona conscientia praescriptam ministerii sui regulam (τής λειτουργίας αυτού κανόνα) non transgrediens, honeste deo gratias agat.

(40. Kap. Gottes Anordnungen in der Kirche sollen befolgt werden.

1. Da uns also dieses ganz klar ist, und wir weit hinabgedrungen sind in die Tiefen der göttlichen Erkenntnis, müssen wir alles ordnungsgemäß tun, was der Herr an bestimmten Zeiten zu erfüllen angeordnet hat. 2. Er wollte, dass Opfer und Gottesdienst gehalten werde, aber nicht aufs Geratewohl und ohne Ordnung solle es geschehen, sondern zu festgesetzten Zeiten und Stunden. 3. Wo und durch wen er es verrichtet wissen will, hat er nach seinem allerhöchsten Willen selbst bestimmt, damit alles heiligmäßig geschehe und so in Wohlgefallen aufgenommen werde von seinem Willen. 4. Die nun ihre Opfer darbringen zur vorgeschriebenen Zeit, sind wohlgefällig und selig; denn wenn sie den Gesetzen des Herrn nachkommen, sündigen sie nicht. 5.Dem obersten Priester sind nämlich eigene Verrichtungen zugeteilt, auch den Priestern ist ihr eigener Platz angewiesen, und den Leviten obliegen eigene Dienstleistungen; der Laie ist an die Laienvorschriften gebunden.

41. Kap. Jeder halte sich in den Grenzen seines Amtes!

1. Jeder von uns, Brüder, soll in seinem Stande Gott danken, indem er sich ein gutes Gewissen bewahrt und die für seine Verrichtung festgesetzte Regel nicht übertritt, in würdigem Wandel.)

Jeder nimmt also gemäß seinem Stand an der Versammlung teil, und jedem obliegen besondere Dienste und Pflichten, so wie jeder seinen Platz hat. Die Vorschriften für die Laien zur Zt. des Clemens von Rom bedeuteten übrigens keinen Ausschluss von wichtigeren Aufgaben oder eine Herabsetzung gegenüber den Priestern oder Diakonen. Vielleicht sollte man sie daher besser mit (Handlungs-)anweisungen für die Laien übersetzen. Zu stark war das Gefühl der gemeinsamen Teilnahme aufgrund des gemeinsamen Priestertums. Der ordo laicorum hatte denselben Wert wie der ordo presbyterorum. Auch entscheidet nicht einer allein über den zeitlichen/örtlichen Ansatz des Gottesdienstes, sondern „[…] nicht aufs Geratewohl und ohne Ordnung solle es geschehen, sondern zu festgesetzten Zeiten und Stunden“ (40,2).

2. Was bedeutet dies alles nun für die Konzelebration der Messe?

a) Für einen Priester ist die Frage des Konzelebrierens keine Frage der Ehre sondern eine Frage des Dienstes, und zwar des Dienstes an der Einheit der Kirche, an der Einheit der Versammlung, so wie eine priesterliche Spiritualität ja grundsätzlich eine Spiritualität des Dienstes und der Einheit ist. Die Eucharistie steht nicht zur Verfügung, damit der Priester sein Amt ausüben kann, sondern der Priester hat ein Amt übertragen bekommen, das er ausüben muss, wenn die Notwendigkeit besteht.

b) Konzelebration ist allerdings in diesem Sinne keine Ausübung einer besonderen Vollmacht, sondern die Teilnahme an der Versammlung der hierarchisch gegliederten Kirche, in der jeder seinen Platz hat. Dass konzelebrierende Priester nach der in der lateinischen Kirche gültigen Ordnung Teile des Hochgebetes mitsprechen, ist von der Kirche z. Zt. so festgelegt, sollte aber für eine theologische Diskussion offen sein. Die Frage ist nicht, wer wann was und wie konsekriert, sondern wichtig ist, dass eine Ortskirche die Eucharistie feiert und für eine solche Feier ist der Dienst zumindest eines Priesters notwendig, der die Danksagung über die eucharistischen Gaben spricht.

In der mittelalterlichen westlichen Theologie wurde die Frage nach der Gültigkeit über Jahrhunderte nicht mehr auf die sakramentale Feier bezogen, sondern personalisiert auf das Handeln jedes einzelnen Amtsträgers. Die zentrale Frage war dann nicht mehr, ob die Feier als solche dem Auftrag Christi entspricht, sondern ob und wann jeder einzelne Priester die für die Konsekration notwendigen Worte spricht. Diese Denkweise führt dann spätestens die scholastische Theologie in einen Engpass bezüglich der Konzelebration. Thomas von Aquin stellt sich die Frage, ob denn mehrere Priester überhaupt konzelebrieren können (S. Th. IIIa q. 82 a. 2) und genau gleichzeitig die als konsekratorisch verstandenen Worte sprechen können. Spricht ein Priester die Formel auch nur den Bruchteil einer Sekunde früher aus, als beispielsweise der vorstehende Bischof, so konsekriere dann ja dieser Priester und die Konsekration des Bischofs wäre dadurch zumindest überflüssig, da einmal konsekrierte Materie ja nicht nochmals konsekriert werden könne (Super Sent. lib. 4 d. 13 q. 1 a. 2 qc. 2). Thomas kommt zu dem Schluss, dass nach menschlichen Maßstäben eine vollkommene Gleichzeitigkeit der Konsekration nicht möglich ist. Gleichzeitig muss er aber die noch bei der Priester- und Bischofsweihe übliche Konzelebration erklären. Er rettet die Konzelebration dann auf dem Umweg über die Intention. Neben dem menschlichen Bemühen um Gleichzeitigkeit, müssen alle konzelebrierenden Priester auch die Intention haben, gleichzeitig mit dem Bischof zu konsekrieren (Super Sent. lib. 4 d. 13 q. 1 a. 2 qc. 2 co.). An diesen und ähnlichen Überlegungen erkennt man, wie den scholastischen Theologen einfach nicht mehr die notwendigen Kategorien zur Verfügung stehen, die es den Kirchenvätern noch ermöglichten, die Eucharistie von der Einheit der Feier her und nicht vom individuellen Handeln eines jeden Priesters her zu denken. Für Thomas und die Theologen seiner und der folgenden Zeit ist die Messe in Konzelebration letztlich nichts Weiteres als eine Gleichzeitigkeit von mehreren Konsekrationen. Bedingt durch die offensichtliche Schwierigkeit, die Konzelebration auf diesem Hintergrund zu erklären, wird sie von den mittelalterlichen Theologen zwar geduldet aber nicht gefördert. Von wenigen Ausnahmen, zum Beispiel in der Kathedrale von Lyon, konzelebrieren ab der ersten Jahrtausendwende in der lateinischen Westkirche nur noch die Neupriester in der Messe ihrer Weihe mit dem Bischof und bei der Bischofsweihe der neue Bischof mit dem Bischof, der ihn geweiht hat.

Erst das zweite Vatikanische Konzil hat die Möglichkeit zur Konzelebration wieder ausgedehnt. Nach umfangreichen Studien der Konzelebration in den orientalischen Kirchen und in den nun zugänglichen Texten der Kirchenväter konnten die Konzilsväter in der Konstitution Sacrosanctum Concilium festlegen:

57. § 1. Die Konzelebration ist in der Kirche des Ostens wie des Westens bis auf den heutigen Tag in Übung geblieben. In ihr tritt passend die Einheit des Priestertums in Erscheinung. Deshalb hat es das Konzil für gut befunden, die Vollmacht zur Konzelebration auf folgende Fälle auszudehnen:

1. a) Die Messe der Chrisamweihe und die Abendmahlsmesse am Gründonnerstag.

b) Die Messen bei Konzilien, Bischofszusammenkünften und Synoden.

c) Die Messe bei der Abtsweihe.

2. Überdies auf folgende Fälle, wenn der Ordinarius, dem das Urteil zusteht, ob die Konzelebration angebracht ist, die Erlaubnis gibt:

a) Die Konventmesse und die Hauptmesse in jenen Kirchen, in denen das geistliche Wohl der Christgläubigen nicht die Einzelzelebration aller anwesenden Priester verlangt.

b) Messen bei den verschiedenartigen Zusammenkünften von Welt- und Ordenspriestern.

§ 2. 1. Dem Bischof steht es zu, im Bereich seines Bistums das Konzelebrationswesen zu leiten.

2. Jedem Priester bleibt die Freiheit, einzeln zu zelebrieren, jedoch nicht zur selben Zeit in derselben Kirche während einer Konzelebration und nicht am Gründonnerstag.

58. Es soll ein neuer Konzelebrationsritus geschaffen und in das Römische Pontifikale und Missale eingefügt werden.

Der neue Konzelebrationsritus wurde noch vor Beendigung des Konzils erstellt und am 7. März 1965 promulgiert. In der voraufgehenden Erprobungsphase steht selbst Papst Paul VI. verschiedenen Messfeiern in Konzelebration in der Konzilsaula vor. Allerdings ist der Konzelebrationsritus an vielen Stellen noch ein Abbild mittelalterlicher Theologie, so verpflichtet er beispielsweise, alle Konzelebranten die als konsekratorisch geltenden Worte im Hochgebet mitzusprechen. Die theologische Frage nach der Bedeutung des eucharistischen Hochgebetes und der Rolle der Priester und der versammelten Gemeinde war noch nicht hinreichend reflektiert, als der von den beim Konzil anwesenden Bischöfen vehement gewünschte Ritus promulgiert wurde.

Wenn die Anaphora als solche und als einheitliches Gebet konsekratorische Funktion hat, so ist eine Hervorhebung einzelner Teile durch gemeinsames Sprechen wenig dienlich und dient nicht der Einheit des Gebetes. Gemeinsames Sprechen verdunkelt zudem die Rolle des einen Vorstehers, der Christus als das eine Haupt seines Leibes, der Kirche, repräsentiert. Zwar kann - auch im profanen Bereich - einer für viele sprechen (so repräsentiert beispielsweise der Präsident den Staat), aber es können nicht viele für einen sprechen. Wenn dann gerade die Herrenworte "Das ist mein Leib..." und "Das ist mein Blut..." von vielen gesprochen werden, wird die Rolle des einen Christus unklar.

Zwar verpflichtet der Konzelebrationsritus auch aus diesem Grund, die Konzelebranten leise zu sprechen, allerdings fragt sich, warum sie dann nicht auch schweigen können und dadurch verhindern, dass ein unschöner Flüsterchor oder - schlimmer noch - ein lautes ungeordnetes Sprechen hörbar wird.

3. Praktische Konsequenzen

Neben der Frage nach der Lautstärke beim gemeinsamen Sprechen im Hochgebet, gilt es folgendes festzuhalten.

Die konzelebrierenden Priester sind nicht Co-Präsidenten (Mit-Vorsteher), sondern priesterliche Teilnehmer die das Priesterkollegium (idealerweise um den Bischof versammelt) darstellen. Das wird in der Liturgie durch den ihnen zugewiesenen Platz und auch durch das Gewand deutlich zu machen, daher tragen sie die Gewänder, die der Priester zur Messe trägt. Das Messgewand der Konzelebranten sollte dann aber auch einheitlich sein, während der Hauptzelebrant auch durch ein besonderes Gewand hervorgehoben werden sollten. Eine Vielzahl von unterschiedlichen Gewändern steht auf der Feierebene nicht im Dienst an der Einheit.

Die "unitas sacerdotii", d. i. die Einheit des Kollegiums der Presbyter ist zwingend. Innerhalb dieses Kollegiums gibt es keine Unterschiede. Die menschliche Versuchung, eine Hierarchie der Konzelebranten einzuführen, widerspricht dieser Einheit. Daraus folgt, dass alle Konzelebranten das gleiche Gewand tragen. Konzelebrationen, in denen besondere Priester durch ein Messgewand ausgezeichnet werden, und gewöhnliche Priester in Albe und Stola erscheinen, widersprechen dem Prinzip der Einheit und dem Konzelebrationsordo der Kirche.

Manchmal ist zu beobachten, dass gerade Konzelebranten wenig Wert auf ihre liturgische Kleidung legen. Im Extremfall wird die Stola über der Alltagskleidung getragen. Geht es hier, wie von einigen geäußert, tatsächlich darum, lediglich das zu tragen, was als das Amtszeichen des Priesters verstanden wird? Dann wäre das Konzelebrieren die Ausübung eines Amtes und nicht ein Dienst an der Einheit. Jede liturgische Feier hat als öffentlicher Akt und öffentliches Symbol zudem eine ästhetische Dimension. Eine Missachtung dieser Dimension ist nicht nur eine Missachtung der eigenen Rolle sondern vor allem eine Missachtung der Versammlung, die sich das „Drama“ anschauen muss (vgl. auch J. F. Baldovin, «Concelebration: A Problem of Symbolic Roles in the Church», Worship 59 (1985) 45). Eine ordentliche Kleidung steht im Dienst an der Heiligkeit der Feier.

Wenn konzelebriert wird, dann muss diese Konzelebration im Dienst der Abbildung der Kirche stehen. Eine Konzelebration, bei der mehr konzelebrierende Priester anwesend sind, als Laien, verbietet sich daher. In den Jahren nach 1965 hat sich mehr und mehr die Gewohnheit herausgebildet, die Zahl der Konzelebranten nicht mehr zu begrenzen. Als der Konzelebrationsritus gemacht wurde, hatte man für ihn nur besondere Gelegenheiten vor Augen, die vom kirchlichen Oberen erlaubt werden mussten und bei denen die Anzahl der Konzelebranten sinnvoll begrenzt war. Die Anzahl der Konzelebranten muss also in den liturgischen Raum hinein passen. Dies gilt auch und besonders für Domkirchen, wenn bei besonderen Gottesdiensten unter Vorsitz des Bischofs besonders viele Priester konzelebrieren. Die Einheit einer Ortskirche wird ja gerade in einer solchen Feier symbolisiert, wenn unter dem Vorsitz des Bischofs die Presbyter der Diözese an ihrem Platz konzelebrieren und die Diakone dem Bischof und der Gemeinde assistieren. Wenn Konzelebranten in einer in der Längsachse ausgerichteten Kirche im Mittelschiff, also im Bereich der Gemeinde teilnehmen, so stört dies nicht nur die Teilnahme der Gemeinde sondern auch die Darstellung der Kirche. Priester nehmen als Priester im Bereich der Priester teil und nehmen nicht den Laien ihren Platz weg. Ebenso haben die Diakone ihren eigenen Platz, an dem sie ihren Dienst wahrnehmen. Genauso wie die Berufung zum Diakon eine ganz eigene kirchliche Berufung ist, sitzen teilnehmende Diakone eben nicht unter den konzelebrierenden Priestern (das würde auf der Feierebene die ihnen eigene Berufung ignorieren).

Die Kirche versammelt sich gemeinsam um den Ambo und den Altar. Daher können bei der Eucharistiefeier die konzelebrierenden Priester auch seitlich vom Altar und hinter dem Altar (auch hinter dem Hauptzelebranten) stehen. Dieser Halbkreis darf aber nicht einmal andeutungsweise auf der Gemeindeseite geschlossen werden. Es geht hier um mehr, als darum dass die Gemeinde gut sehen kann. Auch wenn nicht alle anwesenden an den Altar herantreten können, so kann es nicht angehen, dass einige Glieder des Leibes Christi den Altar für sich beanspruchen und so andere von ihm wegdrängen. Manchmal wird von Kritikern der Konzelebration angemerkt, dass selbige nicht mehr möglich sei, wenn die Priester aufgrund ihrer Anzahl oder der räumlichen Gegebenheiten zu weit vom Altar entfernt ihren Platz haben. Wenn man allerdings von Laien erwartet, dass sie in großer Menge und auch weit vom Altar entfernt mitfeiern, fragt sich, warum das von Priestern nicht erwartet werden kann, die auf ihrer Weise an ihrem Platz konzelebrieren.

Die Einheit des Presbyteriums mit dem Bischof wird auch in der Teilnahme aller Konzelebranten an der Einzugsprozession deutlich, so wie sie auch vom Konzelebrationsritus vorgesehen ist. In einer Kirche irgendwelche Bereiche als „Konzelebrantenbereiche“, z.B. im Seitenschiff, abzugrenzen, in denen dann die Konzelebranten schon vor Beginn der Feier Platz nehmen, verbietet sich schon allein aus der zwingend geforderten auch räumlich darzustellenden Einheit des Bischofs mit dem Presbyterium.

(Die vier Seiten des Altars sind übrigens gleichwertig. Von daher ist nicht einzusehen, dass Konzelebranten (wie auch Hauptzelebrant und Diakon) erst um den Altar herumgehen, um ihn dann mit dem Kuss zu begrüßen. Ich gehe ja auch nicht erst um einen Menschen herum, wenn ich ihn begrüße. Die dem Volk zugewandte Seite ist daher nicht weniger wert. Im Sinne des Herantretens grüßen Bischof und Konzelebranten zudem zuerst den Altar, der Christus symbolisiert, und machen auf diese Weise den Mittelpunkt der Feier deutlich. Wir sind um Christus versammelt. Erst danach darf sich der Hauptzelebrant in ein Gegenüber zur Gemeinde begeben. Die Konzelebranten sind allerdings nicht Mit-vorstehende und brauchen daher nicht im Gegenüber der Gemeinde ihren Platz zu haben.

4. Das Messstipendium

Die Frage nach der Gültigkeit einer Konzelebration bemisst sich allein in der Erlaubnis, für welches Handeln in der Messfeier der Priester ein Stipendium annehmen darf. Derzeit ist kirchlich festgelegt, dass ein Konzelebrant ein mit einer Intention verbundenes Stipendium nur annehmen darf, wenn er von Anfang an an der Feier teilnimmt, wenn er in Einheit mit dem Hauptzelebranten konzelebriert (also muss dem Hauptzelebranten und der Versammlung auch bewusst sein, welche Priester konzelebrieren) und wenn er die im Ritus vorgeschriebenen Worte spricht. Wenn Priester, die unter den Gemeindemitgliedern sitzen, einfach die vorgeschriebenen Worte des Hochgebetes mitsprechen, so ist dies noch keine Konzelebration und eine Intention darf nach den derzeitigen Vorschriften der Kirche nicht persolviert werden. Einige in der Geschichte gewährte päpstliche Indulte, die auch Priestern erlauben, ein Stipendium anzunehmen, wenn sie nicht die Herrenworte im Hochgebet sprechen, belegen allerdings auch, dass das Persolvieren der Intention nicht immer an ein Sprechen der Herrenworte gebunden war. Es handelt sich hierbei um eine kirchliche Gesetzgebung, die auch wieder geändert werden kann.

Zu beachten ist dabei, dass das Opfer Christi am Kreuz, das in der Eucharistiefeier gegenwärtig gesetzt wird, einmal und vollständig für alle Zeiten gültig ist, wie Karl Rahner in seinem vielbeachteten Artikel «Die vielen Messen und das eine Opfer» (erstmalig erschienen in ZKTh 71 (1949) 257-317 und in der folgenden Zeit oft übersetzt und rezipiert) dargelegt hat. Weder das Handeln des Priesters in der Messfeier, noch eine numerische Vervielfachung der Feier, kann dem Opfer Christi etwas hinzufügen. Auf diesem Hintergrund ersetzt das Messstipendium die früher von den Teilnehmenden dargebrachten Gaben von Brot und Wein. Das Stipendium beinhaltet weiterhin die Bitte um fürbittendes Gebet, allerdings nicht allein seitens des Priesters, sondern seitens der gesamten Versammlung; die fürbittend vor Gott eintritt. Gleichzeitig sichert das dem Priester gegebene Stipendium vielerorts den Lebensunterhalt des Priesters. Es geht also nicht um eine Multiplikation der Messe und damit auch nicht um die Frage, ob eine Konzelebration eine Anhäufung von simultanen Privatmessen ist, sondern darum, wie eine konkrete Versammlung als Abbild der hierarchisch strukturierten Kirche Eucharistie feiert. Auch die Feier der Eucharistie in Konzelebration ist EINE Messfeier, in der jeder an seinem Platz die ihm zukommenden Aufgaben wahrnimmt. Die univerale Vollkommenheit des Opfers Christi am Kreuz macht die Frage unnötig, ob den für jedes gegebene Stipendium eine eigene Messe gefeiert werden müsse. Eine „Extramesse“ würde dem Erlösungswerk Christi nichts hinzufügen. Wichtig hingegen ist die Teilname auch der Stipendiengeber an der gemeinsamen Feier.

[1] Vgl. J. M. Hanssens, «La concelebrazione sacrificale della Messa», Div 2 (1958) 242-267. In Fn. 2 finden sich die entsprechenden Quellenangaben für den Gebrauch des Terminus vom 3. Jahrhundert (Cyprian) bis zum 9. Jahrhundert (Amalarius).

[2] Vgl. P. de Puniet, «Concélébration liturgique», in Dictionnaire d’archéologie chrétienne et de liturgie 3/2, Paris 1914, 2470.

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