3. September: Hl. Gregor d. Große

Veröffentlicht auf von Markus Tymister

3. September: Hl. Gregor d. Große

Jedes Jahr am 3. September feiert die Kirche den Gedenktag des Hl. Gregor d. Großen. Gregor I., geboren um 540, war Papst von 590 bis zu seinem Tode im Jahr 604. Er gilt als einer der bedeutentsten Päpste und wird zu den lateinischen Kirchenvätern der Spätantike gezählt. Als Mönchspapst nannte Gregor sich "Diener der Diener Gottes (servus servorum Dei)", einer der päpstlichen Titel, der noch bis heute Bestand hat. Auch der Titel Papst (papa) geht auf ihn zurück. Die Einführung der öffentlichen Armenfürsorge in Rom ist einer seiner Verdienste. Der "gregorianische Choral" ist allerdings nicht von ihm, sondern wird ihm nur zugeschrieben. Er übernimmt - gegen seinen Willen - die Leitung der Kirche in einer für sie schwierigen Zeit: Die Langobarden stehen vor den Toren Roms, das, zumindest nominell, unter der Herrschaft des Oströmischen Kaisers steht. In einem Brief beschreibt er selbst einmal die Situation der Kirche als die eines untergehenden Schiffes. Über die Kirche hereinbrechende Stürme sind also keine neue Erfahrung unseres Jahrhunderts! Sein großes diplomatisches Geschick ist einer der Gründe, weshalb er zum Bischof von Rom gewählt wurde, obwohl er sich das niemals erträumt hatte. Es gelingt ihm schließlich, Frieden mit den Langobarden auszuhandeln.

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Das Messbuch von 1962 sieht die für Messe seines Gedenktages folgende Oration vor:

Deus, qui animae famuli tui Gregorii aeternae beatitudinis praemia contulisti: concede propitius; ut, qui peccatorum nostrorum pondere premimur, eius apud te precibus sublevemur.

Gott, der du der Seele deines Dieners Gregor den Siegespreis der ewigen Glückseligkeit zugeteilt hast: gewähre gnädig, dass wir, die wir durch das Gewicht unserer Sünden niedergedrückt werden, durch seine Fürbitte bei dir aufgerichtet werden.

Dies ist eine Oration aus dem 9. Jh.

Das Messbuch von 1970-2002 sieht hingegen als Tagesgebet der Messe am 3. September folgenden Text vor:

Deus, qui populis tuis indulgentia consulis et amore dominaris, da spiritum sapientiae, intercedente beato Gregorio papa, quibus dedisti regimen disciplinae, ut de profectu sanctarum ovium fiant gaudia aeterna pastorum.

Gott, du bist deinem Volk gnädig und leitest es in Liebe. Höre auf die Fürsprache des Hl. Papstes Gregor und schenke allen, die in der Kirche am Amt der Leitung teilhaben, den Geist der Weisheit, damit dein Volk wachse und seinen Hirten zur ewigen Freude werde. (Übertragung: Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes, Authentische Ausgabe 1975)

Diese Oration ist wörtlich dem gregorianischen Sakramentar (Orationes in natale papae, Nr. 824; 1. Hälfte des 7. Jh.) entnommen, das von Papst Hadrian I gegen Ende des 8. Jh. dem karolingischen Hof geschickt wurde. Sie ist also eindeutig älter als die Oration im Messbuch von 1962.

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Während die Oration des Messbuches von 1962 nur auf die Fürsprache des Heiligen für uns, die wir von Sünden niedergedrückt sind, Bezug nimmt, ist die ältere Oration des Messbuchs von 1970-2002 wesentlich reicher in Anamnese und Interzession.
Am Gedenktag des Hl. Gregor d. Großen eine Oration aus dem gregorianischen Sakramentar zu nehmen, legt sich zudem historisch nahe, auch wenn nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, wer der Verfasser der Oration ist. Die Oration spricht vom "regimen disciplinae" (im Deutschen wiedergegeben durch "Amt der Leitung"). Der Begriff ist in der Regula pastoralis (um 590, ein gregorianisches Werk von großem Erfolg und von verschiedenen Konzilien den Bischöfen als Modell der Leitung anheimgestellt) beschrieben und nimmt hier Bezug auf Gregor den Großen als wirklichen geistlichen Leiter, der das ihm anvertraute Volk im Geist der Weisheit und in der Kraft der Liebe leitete.

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Im Messbuch von 1962 wird Gregor d. Gr. am 12. März gefeiert, dem Tag seines Todes im Jahr 604. Damit fällt der Gedenktag in die Quadragese und geht unter. Die Kalenderreform hat die Bedeutung dieses Heiligen für die gesamte Weltkirche herausgestellt, indem sie den Gedenktag auf den 3. September verlegt hat, den Tag des Beginns seines Dienstes als Bischof von Rom (3. Sept. 590).


Das Messbuch von 1970-2002 hat damit nicht nur die eindeutig ältere Oration, sondern wird dem Anliegen und der Bedeutung des Heiligen theologisch gerechter (seine Bedeutung in der Kirche übertrifft die des "Fürsprechers bei Sünden" bei weitem) und weist ihm mit dem 3. September einen wesentlich bedeutsameren Platz im Kalender zu.

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Rotsinn 09/02/2014 16:03

Vielen Dank für diesen - wie immer - informativen Artikel! Es handelt sich um eine schöne Würdigung des 'jungen' Messbuchs mit seinen 'älteren' Texten.