Wie kommt das Glaubensbekenntnis in die Messe?

Veröffentlicht auf von Markus Tymister

Ave Maria und nizänisches Credo
Ave Maria und nizänisches Credo

An Sonntagen und Hochfesten wird im römischen Ritus das Glaubensbekenntnis nach der Homilie, bzw. nach dem Evangelium, gesprochen oder gesungen. Darüber hinaus kann es zu besonderen Gelegenheiten, an denen es angebracht erscheint, gebetet werden. Über lange Zeit ist allerdings kein Glaubensbekenntnis in der Messfeier bezeugt. Erst um das 6. Jahrhundert findet es sich hier da in einigen Messliturgien des altspanischen und des gallikanischen Ritus. In der heute üblichen Form und am heutigen Platz nach dem Evangelium finden wir es erst seit der ersten Jahrtausendwende.

Das Credo ist ursprünglich auch nicht für die Messliturgie zusammengestellt worden. Glaubensbekenntnisse hatten, sei es als Text oder in Frageform, ihren Platz bei der Feier der Taufe. Der Taufbewerber wurde anlässlich der Taufe nach seinem Glauben gefragt, vielerorts wurde den Taufbewerbern auch kurz vor der Taufe in einer besonderen Feier der Text des Glaubensbekenntnisses übergeben, den sie dann kurz vor der Taufe wieder aufsagen mussten. Nach der Taufe wurde er ihnen dann in besonderen Katechesen erklärt. Im Zusammenhang mit der Taufe finden wir auch die ersten Erwähnungen eines Glaubensbekenntnisses in der Messfeier. Unser sogenanntes "großes", bzw. "nizäno-konstantinopolitanisches" Credo ist ebenfalls nicht für die Messliturgie formuliert worden, sondern diente dazu, die wichtigen, auf den Konzilien von Nizäa I. (325) und Konstantinopel I. (381) beschlossenen Lehrinhalte festzuhalten. Der Text in unserer Fassung wurde allerdings erstmals auf dem Konzil von Calzedon (451) verlesen und mit ihm wurde der Glaube der Konzilien von Konstantinopel I. und Nizäa I. bestätigt. Es handelt sich folglich in erster Linie um einen theologischen Lehrtext in Form eines Bekenntnisses und weniger um einen liturgischen Text.

Erste Erwähnungen von Credo-Texten in der Messliturgie, unabhängig von der Feier der Taufe, finden wir folglich in Gegenden, in denen die Kirche sich gegen Irrlehren behaupten musste. So erwähnt z. B. die Synode von Toledo im Jahre 589 das Credo in einigen Messliturgien, um damit dem Arianismus zu wehren.

Erst Karl d. Große (+ 814) führt das Glaubensbekenntnis als festen Bestandteil der Messliturgie im Frankenreich ein. In seinen Bemühungen um den Zusammenhalt des großes Reiches spielte die einheitliche Liturgie und Religion eine bestimmende Rolle; gleizeitig war die Kirche im Frankenreich immer wieder in Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Irrlehren verwickelt, so dass das Credo zu einem der wichtigen Texte der Liturgie wurde, um zu verhindern, dass Anhänger von nicht katholischen Lehren die Eucharistie empfingen; teilweise hatte es daher auch vor dem Kommunionempfang seinen Platz.

Von Kaiser Heinrich II. (+ 1024) ist überliefert, wie er anlässlich seiner Kaiserkrönung in Rom (1014) dem Papst gegenüber seine Verwunderung äußerte, warum in Rom bei der Feier der Messe das Credo nicht gebetet würde. Es gelang ihm sogar, Papst Benedikt VIII. zu überzeugen, auch dort das Credo einzuführen, obwohl der Papst diesem Ansinnen zuerst skeptisch gegenüberstand und dem Kaiser entgegnete: Unsere Kirche ist nicht andauernd dem Ansturm von Irrlehren ausgesetzt, daher sehen wir keinen Anlass, in der Messfeier das Glaubensbekenntnis zu beten. Das Credo in jeder Messfeier hat sich im römischen Ritus daher auch nicht lang erhalten und wurde schnell auf die Festtage beschränkt, die im Text des Glaubensbekenntnisses selbst erwähnt werden, wie z. B. Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und auf den Sonntag, als wöchentlicher Feier der Auferstehung.

Immer wieder stellt sich die Frage, ob denn nicht das Credo in jeder Eucharistiefeier gebetet werden sollte, wie es ja auch die Ostkirchen tun. Zu bedenken ist, dass die Christen in den ersten Jahrhunderten dazu keinen Anlass sahen. Der Glaube wurde anlässlich der Taufe feierlich bekannt und dieses Bekenntnis sollte für immer gelten. In einer Zeit, in der allerdings in der Regel Kinder getauft werden, die ihren Glauben noch nicht selber bekennen können, stellt sich die Frage, nach dem ersten öffentlichen Glaubensbekenntnis eines Christen; das dann allerdings "einmal für immer" Geltung haben könnte und sollte. Hier rückt die Firmung als Feier der Vollendung der Taufe in den Blick, anlässlich derer die (jungen) Christen erstmals öffentlich selbst in und vor der Kirche ihren Glauben bekennen. Dass dieses erste öffentliche Glaubensbekenntnis allerdings in der Regel erst lange nach dem ersten Eucharistieempfang erfolgt, darf allerdings zu Recht angefragt werden. Eine in die Messe der Erstkommunion eingeschobene Befragung der Erstkommunikanten nach ihrem Glauben überzeugt wenig als Ersatz. Die Veränderung der Reihenfolge der Initationssakramente in der westlichen Kirche ist ein durchaus noch nicht endgültig bedachtes Problem.

Die tägliche Wiederholung eines theologischen Lehrtextes, wie des Glaubensbekenntnisses, ist allerdings im Hinblick auf die Messliturgie auch gar nicht nötig. Ursprünglich war schon allein die Teilnahme an der Eucharistiefeier ein Bekenntnis des Glaubens. Wer nicht glaubt, hat auch (eigentlich) keinen Anlass, an dieser Feier teilzunehmen. Über Jahrhunderte achteten Christen auch genau darauf, dass nur Getaufte (= Glaubende) zur Feier der Messe Zutritt hatten. Bei der Messfeier selbst ist jedes Amen der Gläubigen ein Glaubensbekenntnis. Wer nicht glaubt, kann sich das Gebet der Kirche nicht zu eigen machen und es nicht mit seinem Amen bestätigen. Tut er es dennoch, so belügt er sich und die Kirche. Hier ist besonders das Amen am Ende des eucharistischen Hochgebetes hervorzugehen, mit dem der einzelne Christ in der Gemeinschaft der gottesdienstlichen Versammlung, das eucharistische Geschehen bestätigt und seine Teilhabe daran bezeugt. So wird auch das Amen beim Kommunionempfang zum wichtigen Bekenntnis des Glaubens: Auf den Zuruf Der Leib Christi antwortet jeder einzelne mit Amen und bezeugt damit nicht nur seinen Glauben an die reale Gegenwart Christi unter der Gestalt des Brotes sondern auch und besonders seine Zugehörigkeit zu der einen katholischen Kirche, die der Leib Christi ist. Hier wird die Notwendigkeit deutlich, dem Tun und dem Sprechen der Gemeinde und jedes Einzelnen in der Liturgie das notwendige Gewicht zu verleihen und es ernst zu nehmen.

Veröffentlicht in Liturgie, Messfeier, Credo

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